Frieden, Scherben, Nebel

Eine Anthologie aus Australien, zwei Zeitschriften aus Niederösterreich

Sowohl von Gabriele Müller wie von Gerald Jatzek sind in jüngerer Zeit Texte in Zeitschriften und Anthologien erschienen.

Zwei Zeitschriften aus Niederösterreich

Erinnerung wird nicht von alleine sichtbar. Es braucht Akteure, wie den Historiker Robert Streibel, der seit 30 Jahren in der Region Krems konsequent die Verbrechen der NS-Zeit aufarbeitet. Mit seinem Essay “Wann sieht man die Erinnerung?” leitet er die aktuelle Ausgabe der niederösterreichischen Literaturzeitschrift etcetera zum Thema Erinnern ein.

Naturgemäß ist die eigene Vergangenheit beim Nachdenken über das was einmal war, besonders präsent. “Die Freude”, “Bilder vom Weggehen” oder “Suppe mit Knochen für alle” sind einige der lesenswerten Beiträge des Genres autobiographisches Schreiben in dem Heft.

“Bilder vom Weggehen” heißt die Geschichte von Gabriele Müller im „etcetera“ zum Thema Erinnerungen. Einzelne Fragmente zeigen das Bild einer skurrilen Familie, die es nicht mehr gibt, die aber in den Texten der Autorin wieder präsent wird.

Etcetera, Heft 96, Juni 2024, € 8,00, ​

Mit dem “Nebel: von Noiwi bis Navi” befasst sich das DUM, das ebenfalls in Niederösterreich erscheint. Die Dialektausgabe ist wie immer eine interessante Herausforderung, wobei lautes Lesen die meisten Verständnisprobleme ausräumt.

Gabriele Müller begegnet in den Donauauen dem schwarzen Mann – mit einer überraschender Wendung.

DUM, Das ultimative Magazin, Nr. 110/24, € 4,00

Deutschland und USA

Gerald Jatzek ist in zwei internationalen Anthologien vertreten.

Das ist einmal eine von Ingo Cesaro herausgegebene und exquisit gestaltete Haiku-Sammlungen. Die Beiträge zum Thema Frieden stammen aus 17 Ländern, darunter Bulgarien, Israel, Kroatien, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien.

Sehnsucht nach Frieden, Neue Cranachpresse, Kronach 2024

Und schließlich kann er sich über einen Beitrag in einer australischen Anthologie freuen. Die Sammlung beschäftigt sich mit den shards (Scherben), in die bloß scheinbar festgefügte Strukturen zerbrechen.

Geralds Gedicht “Objection” untersucht, wie ein kollektiver Mythos und das Pathos der nationalen Geschichte die Bruchstücke im Leben der Schwächsten verdecken.

Shards, The Ravens Quoth Press, Melbourne 2024, 485 p.,
ISBN: 978-0975667231
, erhältlich als Hardcover, Paperback und eBook.

Published by Marius van der Graaf

Marius considers himself a citizen of the world. He is an artist, writer, and translator. When he is not traveling, he splits his time between Indonesia and Europe.

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