Collage als Ausschneidebogen

From the book "Collage Fantastique!" by Peter Platel

Peter Platel, zeitweise Schauspielschüler, später Inhaber von Friseursalons in Antwerpen, Brüssel und Gent, “Haar- und Beauty-Experte” (Wikipedia) in Zeitschriften und im TV, fertigt seit 2020 Collagen an. In einem. einleitenden Text des Bandes versucht er einen inneren Zusammenhang zwischen dieser Kunstform und Queerness darzustellen, was freilich nicht überzeugt.

Die apodiktische Feststellung “In ‘queer’ schwingt immer etwas Rebellisches mit” stellt eine Befindlichkeit des Autors dar, für die er keinerlei Beweise anführt. In der Werbung des Verlags heißt es gar “Collage an sich ist eine queere Kunstform – denn sie wurde von queeren Künstler*innen erfunden”.

Eine Collage des Einzelgängers Kurt Schwitters: Das Undbild (1919), Staatsgalerie Stuttgart, PD.

Das ist definitiv falsch: Platel selbst nennt als Wegbereiter der Collage Georges Braque, Hannah Höch und Pablo Picasso. Höch war bisexuell. Braque lebte ab 1912 mit Marcelle. Lapré, zusammen, die er 1926 heiratete. Und Picasso … Und die in der Folge einflussreichsten Künstler? Max Ernst war mit Peggy Guggenheim und Dorothea Tannin verheiratet, John Heartfield, der Collagen mit beißender Ironie gegen den Nationalsozialmus schuf, brachte es auf drei Ehen.

Im Anschluss an Kurzvorstellungen queerer Collagisten gibt Platel drei Seiten Tipps zur Produktion und stellt schließlich einige eigene Werke vor.

Danach beginnt mit den Bildmotiven der wesentliche Teil des Bandes. Es sind zumeist opulente Darstellungen, die dem Stil des Autors entsprechen. Der wichtige Bereich der Typografie ist dabei nicht vertreten. Abbildungen von Personen, Körperteile, Lippenstifte, Kronen, Schmuck, Pflanzen, Tiere, Fahrzeuge u.a.m. werden in nicht nachvollziehbarer Reihenfolge präsentiert. Ein Register würde die Suche nach Motiven wesentlich vereinfachen.

Die bisweilen extrem ausgefransten Darstellungen erfordern einen ausgesprochen routinierten Umgang mit der Schere. Die Konkurrenz, etwa Collage Soup, bietet derlei zeitgemäßer als eBooks für digitale Collagen an. Aber vielleicht überlegt man sich das ja noch.

Peter Platel: Collage Fantastique
Laurence King Verlag, Berlin 2026, 208 Seiten,
übersetzt aus dem Englischen von Thomas Hauffe
ISBN 978-3-9624-4532-4

Published by Marius van der Graaf

Marius considers himself a citizen of the world. He is an artist, writer, and translator. When he is not traveling, he splits his time between Indonesia and Europe.

Leave a Reply